FIELD REPORT · WINSTON
Als mein Sohn und ich nach Essen fuhren, um Winston abzuholen, wussten wir noch nicht, wie eng dieser Hund einmal zu unserem Leben gehören würde. Vor uns lag zunächst das Kennenlernen: die Begegnung am Tiertransporter, die Heimfahrt und die Frage, wie er bei uns ankommen würde. Heute denke ich besonders gern an diese ersten Stunden zurück, denn aus der englischen Bulldogge, die damals zu uns zog, ist längst mein Buddy geworden.
01 / DIE ABHOLUNG
Zum ersten Mal Winston.
Winston kam aus dem Tierschutz in Ungarn und wurde über Hercules Bullyrettung vermittelt. Wir kannten die Organisation bereits, weil auch unsere französische Bulldogge über sie zu uns gekommen war und wir damit gute Erfahrungen gemacht hatten. Diesmal warteten mein Sohn und ich in Essen auf Winston, der unser Familienleben künftig mit zwei Hunden vervollständigen sollte.
Als er aus dem Transporter herausgebracht wurde, konnten wir ihn endlich kennenlernen. Noch neben der offenen Tür legten wir ihm das breite Geschirr an und richteten es zurecht. Während die Helfer den Sitz prüften, beugten wir uns zu ihm herunter und streichelten ihn. Zwischen all den praktischen Handgriffen war das der Moment, in dem aus dem Warten eine wirkliche Begegnung wurde.
Ich ging vor ihm in die Hocke und streichelte seinen Kopf und seine Schultern. So nah bei ihm zu sein, war etwas anderes, als vorher im Auto über seine Ankunft zu sprechen. Nun stand dieser kompakte, braun-weiße Kerl tatsächlich vor mir. Wir hatten gerade erst zueinandergefunden, und ich wollte mir Zeit für ihn nehmen, bevor es weiterging.
Anschließend gingen wir gemeinsam über den Parkplatz zum Auto. Winston lief an der Leine neben mir, und wenig später saß er bei uns im Wagen. Damit war die Abholung geschafft, doch der spannendere Teil stand uns noch bevor: Zu Hause warteten unsere Hündin und die Kinder. Ich war neugierig, wie Winston ihnen begegnen und sich in unserer Familie einleben würde.
02 / ZU HAUSE
Jetzt bist du bei uns.
Zu Hause öffnete ich den Jeep und hob Winston vorsichtig heraus. Kaum standen seine Pfoten auf dem hellen Kies, waren die Kinder bei ihm. Einer kniete sich neben ihn und strich ihm über den Rücken, während die anderen seinen Kopf streichelten. Winston wandte sich ihnen zu und stand schon nach wenigen Augenblicken mitten in der kleinen Begrüßungsrunde.
Diese Szene ist mir besonders in Erinnerung geblieben, weil sie so viel von unserem Anfang erzählt: Die Kinder gingen ganz selbstverständlich zu ihm herunter, suchten seine Nähe und lernten ihn auf ihre Weise kennen. Wie unser Zusammenleben werden würde, musste sich natürlich erst zeigen. Aber wenn ich heute an diesen Tag denke, sehe ich vor allem Winston zwischen den Kindern neben dem Jeep.
Als ich etwa eine Woche später draußen unterwegs war und ein erstes Update gab, hatte er sich bereits gut eingelebt. Mit unserer Hündin verstand er sich super, und die Kinder hatten es ihm besonders angetan. Sobald sie aus der Schule nach Hause kamen, freute er sich riesig. Ihre Begrüßung war inzwischen zu einem vertrauten Teil seines neuen Alltags geworden.
Natürlich lief nicht vom ersten Tag an alles reibungslos. In der ersten Woche beschäftigten uns auch kleinere Verdauungsprobleme. Gleichzeitig zeigte Winston immer deutlicher seine eigene Persönlichkeit. Er hatte den Schalk im Nacken und brachte frischen Schwung ins Haus. Mit jedem gemeinsamen Tag lernten wir ihn besser kennen und fanden uns als Familie mit zwei Hunden zusammen.


03 / WAS DARAUS WURDE
Mein Buddy.
Seinen Namen hat Winston von Winston Churchill, und an Persönlichkeit fehlt es ihm tatsächlich nicht. Was ihn für mich so besonders macht, lässt sich allerdings nicht an seinem Namen oder an einer einzigen Begebenheit festmachen. Es ist die Nähe, die mit der Zeit zwischen uns entstanden ist und die heute ganz selbstverständlich zu meinem Leben gehört.


Ich genieße es, mit ihm draußen unterwegs zu sein, genauso wie die ruhigen Momente zu Hause. Wenn wir nebeneinander auf dem Sofa liegen, braucht es keinen besonderen Anlass, damit sich der Tag gut anfühlt. Gerade in solchen alltäglichen Augenblicken merke ich, wie viel mir dieser Hund bedeutet. Er ist nicht nur bei unseren Unternehmungen dabei, sondern auch dann, wenn einfach einmal nichts ansteht.

Wenn ich mir heute die Aufnahmen von seiner Abholung ansehe, fällt mir auf, wie wenig wir damals noch voneinander wussten. Mein Sohn und ich waren nach Essen gefahren, um Winston nach Hause zu holen. Dass er mir einmal so nahestehen würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nur ahnen. Inzwischen ist aus diesem gemeinsamen Anfang eine Verbundenheit gewachsen, die ich nicht mehr missen möchte.
Winston ist mein Buddy geworden. Ohne ihn geht es nicht mehr.

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