Schweiz · Familienreise · Oktober 2026
Eine Woche mit dem Wohnwagen im Lauterbrunnental. Meine Frau, die Kinder und unsere Hunde Winston und Erna sind dabei. Wir fahren mit dem Jeep auf den Sustenpass, schauen in die Aareschlucht und finden in Mürren endlich den Schnee, nach dem Theo die ganze Zeit fragt.
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Thorsten-Voice, Sprecher Thorsten Müller. Stimmaufnahmen unter CC0. Thorsten-Voice.
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Alba / Piper. Voice dataset: Alba speech corpus (2019), Cassia Valentini-Botinhao and Junichi Yamagishi, University of Edinburgh. Licensed under CC BY 4.0. The recordings were used to train a synthetic voice model. This credit refers to the voice dataset; the travel story is by The Adventure Beyond.
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Ronnie / Piper. Stemopnamen van OHF-Voice, beschikbaar onder CC0. Stemgegevens en bron.
Nach elf Stunden endlich Berge
Links von uns liegt der Thunersee. Das Wasser leuchtet smaragdgrün, dahinter stehen die Berge. Nach gut elf Stunden Fahrt durch die Nacht ist dieser Anblick eine Wohltat. Als Fahrer habe ich lange genug auf den dunklen Streifen vor uns geschaut. Jetzt gibt es wieder etwas zu sehen.
Bei Interlaken werden auch die Kinder auf der Rückbank langsam wach. Theo hat den See verschlafen. Beim Blick auf die schneebedeckten Gipfel kommt von hinten nur ein „Wow“. Ich kann ihn verstehen. Die grünen Wiesen unten, darüber die weißen Berge und zwischendurch Sonne, die durch die Wolken fällt – genau darauf habe ich mich gefreut.
Wir biegen ins Lauterbrunnental ein. Neben der Straße fließt die Weisse Lütschine, rechts und links ragen die Felswände auf. An den Steigungen schaltet der Jeep herunter. Die Drehzahl steigt, der Wohnwagen hängt hinter uns, und wir arbeiten uns die letzten Kilometer durchs Tal.
In Lauterbrunnen selbst wird es langsam. Menschen bleiben am Straßenrand stehen, gehen hinüber oder suchen den besten Winkel für ihr Foto. Mit dem Gespann schaue ich lieber zweimal hin. Hinter dem Ort wird es ruhiger. Unser Ziel ist Camping Breithorn.

Einparken mit Muskelkraft
Meine Frau meldet uns an der Rezeption an. Wir werden freundlich empfangen, bekommen unseren Platz gezeigt und beim Rangieren gleich unterstützt. Das wissen wir zu schätzen: Unser Wohnwagen hat keinen Mover. Wir haben uns damals für eine Klimaanlage entschieden. Beim Einparken braucht es deshalb weiterhin ein paar Hände.
Mit Hilfe steht er bald auf dem Schotter. Ausrichten, aufbauen, ankommen. Normalerweise will ich diesen Teil möglichst schnell erledigt haben. Hier schaue ich zwischendurch immer wieder nach oben. Felswände, Wasserfälle und dahinter die verschneiten Gipfel. An so einem Platz baut es sich gut auf.
Winston und Erna erkunden schon einmal die Parzelle. Theo ist mit seinem Tretroller unterwegs und kommt kurz darauf aufgeregt zurück. Auf der anderen Seite des Baches stehen Kühe. „Papa, die haben Glocken und Hörner.“ Für ihn ist die erste Entdeckung des Urlaubs damit gemacht.
Wir haben in dieser Herbstwoche viel Glück mit dem Wetter. Meistens scheint die Sonne. Einen Tag regnet es durchgehend; den verbringen wir im Wohnwagen. Nachts merken wir allerdings deutlich, dass wir in den Alpen sind. Die Heizung wird gebraucht. Wer im Herbst mit dem Wohnwagen hierherfährt, sollte seinen Gasvorrat entsprechend planen.

Nutella, Mayonnaise und eine Fahrkarte für Winston
Für den ersten Spaziergang haben wir ein sehr konkretes Ziel: den Supermarkt in Lauterbrunnen. Nutella und Mayonnaise fehlen. Für die Kinder ist das ein ausreichender Grund, rund 3,8 Kilometer zu Fuß zu gehen.
Unterwegs schaue ich mir das Tal genauer an. Ich war 2009 schon einmal hier, für meine Ausbildung zum HEMS Crew Member bei Air-Glaciers. Damals blieb mir eine andere Seite von Lauterbrunnen in Erinnerung. Jetzt komme ich siebzehn Jahre später mit meiner Familie zurück. An so viele Besucher wie heute kann ich mich von damals nicht erinnern. Je näher wir dem Ort kommen, desto voller wird es.
Zurück nehmen wir den Bus. Unsere Gästekarte gilt auf der Strecke, die Familie darf mitfahren. Bei den Hunden macht der Fahrer einen Unterschied: Erna fährt kostenlos mit, Winston braucht eine eigene Fahrkarte. Seine Erklärung ist trocken: Der Große zahle schließlich keine Kurtaxe. Also lösen wir für Winston ein Ticket und fahren gemütlich zurück zum Platz.
Das sind die Momente, die bei uns von einer Reise hängen bleiben. Ein Wasserfall ist beeindruckend. Die Diskussion um Winstons Fahrkarte werde ich aber wahrscheinlich genauso lange im Kopf behalten.

Ein paar Kehren bis zum Schnee
Theo möchte Schnee sehen. Nach dem Frühstück lassen wir den Wohnwagen am Platz und steigen in den Jeep. Eine Fahrt zum Jungfraujoch hatten wir uns vorher ausgerechnet. Für unsere Familie kamen wir auf knapp 600 Euro. Das war uns für diesen Ausflug zu viel. Also versuchen wir unser Glück am Sustenpass.
Nach etwa vierzig Minuten erreichen wir den Anstieg. Die ersten Kehren führen durch den Wald, dann wird die Landschaft offener. Immer wieder tauchen andere Gipfel auf. Für mich gehört diese Fahrt schon zum Ausflug. Meine Frau hätte sich zwischendurch ein paar Kurven weniger gewünscht. Wir halten in einer Bucht an, damit sie Luft schnappen kann.
Oben sind die Hunde und die Jungs gleich auf den steinigen Wegen unterwegs. Die Ruhe hält nicht lange: Leichter Regen setzt ein, Wolken ziehen über die Gipfel, dazu kommt Wind. Wir essen und trinken noch etwas am Jeep. Winston und Erna bekommen Wasser und ein Leckerchen, dann fahren wir wieder hinunter.
Allein für solche Fahrten nehme ich den Jeep gern mit. Wir sind auf der Passstraße unterwegs, halten für die Aussicht an und können den Tag so gestalten, wie es für uns gerade passt.

Zwischen den Felswänden
Auf dem Rückweg fahren wir noch zur Aareschlucht. Nach der offenen Berglandschaft stehen wir plötzlich zwischen hohen, eng beieinanderliegenden Felswänden. Unten fließt die Aare, der Weg führt auf schmalen Stegen an der Wand entlang.
Hier wird mir erst richtig bewusst, was Wasser mit Gestein machen kann. Man schaut nach oben, dann wieder hinunter auf den Fluss. Dazwischen geht man vorsichtig weiter und fühlt sich ziemlich klein. Die Schlucht ist für uns ein lohnender zweiter Halt an diesem Tag.

Schneebälle und Cappuccino
Mürren liegt hoch über dem Tal auf einer Terrasse an den steilen Felswänden. Wir fahren mit der Gondel hinauf. Diesmal dürfen beide Hunde ohne Aufpreis mit – auch Winston. Er bekommt also doch noch seine kostenlose Bergfahrt.
Schon von oben wirkt das Tal noch einmal anders. Erst jetzt sehe ich richtig, wie weit die Felswände unter dem Dorf abfallen. Dazu die Aussicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Ich könnte ständig stehen bleiben und fotografieren.
Theo hat ein anderes Ziel. Im Schatten der Fichten findet er endlich einen Rest Schnee. Es dauert nicht lange, bis die ersten kleinen Schneebälle fliegen. Winston interessiert sich ebenfalls dafür, hauptsächlich als mögliche Zwischenmahlzeit. Erna beschäftigt sich lieber mit den Hinterlassenschaften der Kühe.
Auch in Mürren sind viele Besucher unterwegs. Nach unserem Spaziergang finden wir trotzdem einen Platz im Café. Die Stühle sind mit Fellen ausgelegt, vor uns steht ein Cappuccino, dahinter liegen die Berge. Da sitze ich gern etwas länger.

Nach Mürren ohne Auto
Mürren ist autofrei. Hinauf geht es unter anderem ab Stechelberg mit der Schilthornbahn. Die Alternative führt ab Lauterbrunnen mit der Seilbahn zur Grütschalp und anschließend mit dem Zug nach Mürren. Verbindungen und Anreise beschreibt die offizielle Mürren-Website.
Meinen Jungs zeigen, wo ich 2009 war
Vor der Abreise möchte ich noch einmal zur Basis von Air-Glaciers. Ich nehme die Jungs mit und schaue, was sich seit meiner Ausbildung verändert hat. Vieles kommt mir sofort bekannt vor. Die Hubschrauber sind inzwischen andere.
Wir kommen ins Gespräch. Ein Pilot lädt uns ein, die Maschinen aus der Nähe anzuschauen. Auch meine Frau lässt sich das nicht entgehen. Aus einem kurzen Besuch wird ein Rundgang mit vielen Erklärungen und fast einer halben Stunde Plausch.
Für die Jungs ist es spannend, so nah an den Hubschraubern zu stehen. Mir bedeutet der Besuch noch etwas anderes: Ich kann ihnen einen Ort zeigen, der zu meinem eigenen Weg gehört. Damals war ich zur Ausbildung hier. Jetzt stehe ich mit meinen Kindern vor dem Hangar. Darüber freue ich mich sehr.

Der Blick hinter die Kulissen ergab sich bei unserem persönlichen Besuch und auf Einladung vor Ort.
Wir kommen wieder
Zum Ende der Woche wird wieder gepackt und abgebaut. Am nächsten Morgen geht es nach Hause. Der Wohnwagen hat sich als guter Ausgangspunkt bewährt: Die Ausflüge machen wir mit dem Jeep, zu Fuß oder mit dem Bus, abends kommen wir an unseren Platz zurück.
Der Herbst hat uns gut gefallen. Unten stehen die Bäume noch in Farbe, oben liegt schon Schnee. Manchmal sinkt die Schneefallgrenze nachts bis wenige hundert Meter über den Campingplatz. Am Morgen sind Hänge und Dächer weiß, die am Abend vorher noch grün oder dunkel waren.
Und dann ist da noch dieses plötzliche Flattern über uns. Wer im Tal unterwegs ist, sieht gelegentlich die Fallschirme der BASE-Jumper vor den Felswänden. Wir bleiben stehen und schauen ihnen nach. Auch das gehört zu den Eindrücken dieser Woche.
Lauterbrunnen ist als Tal der 72 Wasserfälle bekannt. Gezählt haben wir sie nicht. Wir haben genug gesehen, um zu wissen: Wir kommen wieder. Für Theo darf beim nächsten Mal gern etwas mehr Schnee dabei sein.
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