STORM FILE · Stormchasing
Beim Blitze fotografieren muss man nicht unbedingt im richtigen Moment auf den Auslöser drücken. Nachts kann die Kamera schon belichten, bevor es blitzt. Tagsüber wird es wegen des hellen Umgebungslichts schwieriger. Hier beschreibe ich, wie ich die Kamera vorbereite, welche Einstellungen ich als Ausgangspunkt nutze und worauf man bei den ersten Versuchen achten sollte. Es geht um Aufnahmen mit einer Kamera; das Handy ist ein eigenes Thema.
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Thorsten-Voice / Piper. Sprecher Thorsten Müller. Stimmaufnahmen unter CC0. Thorsten-Voice.
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Alba / Piper. Alba speech corpus (2019), Cassia Valentini-Botinhao and Junichi Yamagishi, University of Edinburgh. Voice recordings licensed under CC BY 4.0 and used to train a synthetic voice. The article is by The Adventure Beyond.
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Ronnie / Piper. Stemopnamen van OHF-Voice, beschikbaar onder CC0. Stemgegevens en bron.
01 / FIELD NOTE
Zuerst den Standort und den Rückzug klären
Eine freie Sicht auf den Himmel hilft bei der Aufnahme. Dafür sollte man aber keine ungeschützte Hügelkuppe, einen Turm oder einen anderen exponierten Standort aufsuchen. Auch ein einzelner Baum, eine offene Schutzhütte oder ein Zelt bieten keinen geeigneten Schutz vor Blitzen. Plane die Aufnahme so, dass du nicht während eines nahen Gewitters draußen aufbauen oder auf die nächste Entladung warten musst.
Sobald Donner zu hören ist, die Aufnahme im Freien abbrechen und in ein geeignetes festes Gebäude oder ein geschlossenes Fahrzeug mit festem Metalldach gehen. Dort mindestens 30 Minuten nach dem letzten Donner bleiben. Im Fahrzeug die Fenster geschlossen halten. Wenige Blitze, nachlassender Regen oder eine Wetter-App sind keine Entwarnung. Das aktive Abfangen von Gewittern ist kein sinnvoller erster Schritt, um die Kameratechnik zu lernen. Sicherheitshinweise des National Weather Service.
02 / FIELD NOTE
Diese Ausrüstung reicht für den Einstieg
Ich nutze eine Sony a6600 mit einem Weitwinkelobjektiv und einem Stativ. Die Anleitung ist aber nicht an dieses Kameramodell gebunden. Wichtig sind eine manuell einstellbare Belichtung, manueller Fokus und ein stabiler Stand.
- Kamera mit manuellem Modus und einem geladenen Akku.
- Stativ, das die Kamera auch bei Wind ruhig hält.
- Weitwinkelobjektiv für einen größeren Himmelsausschnitt.
- Fernauslöser oder der Selbstauslöser der Kamera.
- Optional für Tageslicht: ND-Filter und ein zur Kamera passender Blitzauslöser.

03 / FIELD NOTE
Bildausschnitt und Fokus einstellen
Richte die Kamera auf den Himmelsbereich aus, in dem die Blitze zu sehen sind. Mit einem etwas weiteren Ausschnitt bleibt mehr Platz, falls die nächste Entladung an einer anderen Stelle auftritt. Ein passender Vordergrund ist schön, lässt sich vor Ort aber nicht immer finden. Der Standort muss deshalb nicht für einen aufwendigeren Bildaufbau gewechselt werden.
Stelle manuell auf große Entfernung scharf. Im Dunkeln ist Unendlich ein Ausgangspunkt, aber keine Garantie für ein scharfes Bild. Wenn ein weit entferntes Licht oder eine deutliche Gebäudekante erkennbar ist, kontrolliere daran die Schärfe mit der Sucher- oder Displayvergrößerung. Bei einem ND-1000-Filter geht das meist leichter, bevor der Filter aufgesetzt wird. Danach den Fokus erneut prüfen und nicht bei jeder Aufnahme neu suchen lassen. Hinweise zur manuellen Fokussierung bei Blitzaufnahmen.

04 / FIELD NOTE
Nachts mit einer Langzeitbelichtung beginnen
Bei Dunkelheit arbeite ich mit Belichtungszeiten bis zu 30 Sekunden und häufig mit Blende 8. Den ISO-Wert passe ich an die Helligkeit der Umgebung an; meine persönliche Obergrenze liegt ungefähr bei 1200. Für den ersten Versuch würde ich deutlich niedriger beginnen. Diese Werte sind Ausgangspunkte, keine festen Einstellungen für jedes Gewitter.
| Einstellung | Ausgangspunkt |
|---|---|
| Belichtungsmodus | Manuell, meist mit M bezeichnet |
| Blende | f/8 |
| ISO | Zunächst 100; nur bei Bedarf erhöhen |
| Belichtungszeit | Zunächst etwa 10–15 Sekunden; je nach Umgebungslicht auch kürzer oder bis zu 30 Sekunden |
| Fokus | Manuell, an einem weit entfernten Motiv kontrolliert |
Mache zunächst ein Testbild. Ist der Himmel schon ohne Blitz zu hell, verkürze die Zeit oder reduziere den ISO-Wert. Wird ein aufgezeichneter Blitz zu hell und verliert seine Zeichnung, helfen ein niedrigerer ISO-Wert oder eine kleinere Blendenöffnung, zum Beispiel f/11 statt f/8. Eine längere Belichtung sammelt vor allem mehr Licht aus der Umgebung; sie verlängert nicht den Blitz selbst. Prüfe deshalb nach den ersten Treffern sowohl den Blitz als auch den Hintergrund.


05 / FIELD NOTE
Auslösen, ohne die Kamera zu bewegen
Das Drücken des Auslösers kann die Kamera auf dem Stativ kurz bewegen. Wenn ein Fernauslöser vorhanden ist, nutze ihn. Ohne Fernauslöser hilft eine kurze Auslöseverzögerung. Bei der Sony a6600 gibt es dafür einen Zwei-Sekunden-Selbstauslöser. Er gibt der Kamera nach dem Tastendruck etwas Zeit, zur Ruhe zu kommen. Nicht jede Aufnahme ohne Fernauslöser ist automatisch verwackelt. Sony a6600: Selbstauslöser.
Ein Blitzauslöser ist etwas anderes als ein gewöhnlicher Fernauslöser: Er erkennt eine schnelle Helligkeitsänderung und gibt das Auslösesignal an die Kamera weiter. Das kann besonders bei Tageslicht hilfreich sein. Fokus und Belichtung müssen trotzdem vorher passen. Auslöser, Anschlusskabel und Kamera müssen miteinander kompatibel sein; auch damit wird nicht jede Entladung erfasst.

06 / FIELD NOTE
Tagsüber mit einem ND-1000-Filter arbeiten
Tagsüber probiere ich einen ND-1000-Filter aus. Er verringert die Lichtmenge um ungefähr zehn Blendenstufen und ermöglicht dadurch längere Belichtungen. Ergibt eine passende Belichtung ohne Filter beispielsweise 1/100 Sekunde, sind mit dem Filter bei gleicher Blende und gleichem ISO-Wert ungefähr zehn Sekunden möglich. Das ist ein Rechenbeispiel und keine Einstellung, die bei jedem Tageslicht passt. HOYA: ND1000 und Lichtreduktion.
Der Filter dunkelt allerdings auch den Blitz ab. Ein schwacher oder weit entfernter Blitz kann dadurch kaum noch zu erkennen sein. Eine längere Belichtungszeit allein gleicht das bei einem kurzen Blitzereignis nicht aus. Ein Versuch kann sich lohnen, ein sicherer Weg zum Treffer ist ein starker ND-Filter aber nicht. Ein geeigneter Blitzauslöser kann eine Alternative sein, um bei kürzerer Belichtungszeit auszulösen.


07 / FIELD NOTE
Die ersten Bilder kontrollieren
Vergrößere eine Aufnahme auf dem Display. Prüfe, ob feste Konturen scharf sind, ob der Blitz noch Struktur zeigt und ob Regentropfen die Frontlinse verdecken. Ändere möglichst nur eine Einstellung auf einmal. So lässt sich erkennen, was die Änderung bewirkt hat. Neue Aufnahmen können nötig sein, wenn sich die Umgebungshelligkeit verändert.
Windräder gefallen mir bei langen Belichtungen häufig weniger als mit bloßem Auge. Die Rotorblätter bewegen sich weiter und werden unscharf oder erscheinen als verwischte Flächen. Die rote Beleuchtung kann im Bild deutlich auffallen. Das ist kein technischer Fehler der Kamera. Wenn diese Wirkung nicht zum Bild passt, hilft ein anderer Ausschnitt, sofern er vom gewählten Standort aus möglich ist.
08 / FIELD NOTE
Wenige Blitze sind keine Entwarnung
Wenn nur noch selten ein Blitz im Bildausschnitt erscheint, kann sich weiteres Warten fotografisch kaum lohnen. Daraus folgt aber nicht, dass das Gewitter ungefährlich ist. Die Zahl der sichtbaren Blitze ist kein verlässliches Abbruch- oder Entwarnungskriterium für die Sicherheit. Ein einzelner Blitz in zehn Minuten ist insbesondere kein Nachweis dafür, dass ein Aufenthalt im Freien wieder sicher wäre.
Für den Einstieg reicht es, die Kamera vorzubereiten, die Belichtung mit Testbildern abzustimmen und die Ergebnisse zu prüfen. Nicht jedes Bild enthält einen Blitz. Das ist bei dieser Aufnahmetechnik normal.
09 / FIELD NOTE
Vor der Aufnahme: die kurze Checkliste
- Wetterentwicklung und Schutzmöglichkeit prüfen. Bei hörbarem Donner nicht im Freien fotografieren.
- Kamera stabil aufstellen, Bildausschnitt wählen und manuell scharfstellen.
- Nachts mit niedriger ISO, etwa f/8 und einer passenden Zeit beginnen. Ein Testbild entscheidet über die Korrektur.
- Fernauslöser oder kurze Auslöseverzögerung nutzen.
- Treffer vergrößern und Schärfe, Blitz und Hintergrund getrennt prüfen.
Mehr von meinen Gewitterfahrten und Wetterberichten findest du in der Rubrik Stormchasing.
Die Fotos stammen aus meinem Archiv und wurden KI-gestützt retuschiert; einzelne Bilddetails können dabei vom Original abweichen. Sie dienen hier der Illustration, nicht der technischen Analyse von Blitzverläufen. Die genannten Kameraeinstellungen sind Ausgangswerte und keine EXIF-Angaben dieser Bilder. Die beiden Zeichnungen zeigen das Prinzip schematisch.
Stand: 27. Oktober 2026.
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