STORM FILE · Stormchasing

Ein Gewitter kann sich deutlich drehen und trotzdem keinen Tornado bilden. Die größere Rotation in der Wolke und der enge Wirbel am Boden hängen zusammen. Sie sind aber nicht dasselbe. Für einen Tornado muss sich die Strömung unmittelbar über dem Boden stark bündeln und eine Verbindung zur Wolke haben.

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Dauer: 14 Minuten 30 Sekunden

Synthetische Stimme: Thorsten. Die Textfassung steht auf dieser Seite.

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Stimme und Quelle

Thorsten-Voice / Piper. Sprecher Thorsten Müller. Stimmaufnahmen unter CC0. Thorsten-Voice.

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Synthetic voice: Alba. The written version is on this page.

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Voice credits

Alba / Piper. Alba speech corpus (2019), Cassia Valentini-Botinhao and Junichi Yamagishi, University of Edinburgh. Voice recordings licensed under CC BY 4.0 and used to train a synthetic voice. The article is by The Adventure Beyond.

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Duur: 16 minuten en 55 seconden

Synthetische stem: Ronnie. De tekstversie staat op deze pagina.

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Stem en bron

Ronnie / Piper. Stemopnamen van OHF-Voice, beschikbaar onder CC0. Stemgegevens en bron.

Was dabei genau passiert, lässt sich auf einem Wolkenfoto kaum erkennen. Es kommt darauf an, wie die Luft zusammenströmt, welche Drehbewegung sie mitbringt und wie sie in den Aufwind gelangt. Neuere Messungen und Simulationen zeigen, dass der Weg zum Tornado unterschiedlich verlaufen kann.

01 / FIELD NOTE

Was wir einen Tornado nennen

Ein Tornado ist eine heftig rotierende Luftsäule, die von einer Schauer- oder Gewitterwolke bis zum Boden reicht. Sichtbar wird sie häufig durch einen Wolkentrichter, aufgewirbelten Staub oder Trümmer. Ein durchgehend sichtbarer Trichter ist dafür nicht erforderlich. Ein Hurrikan ist etwas anderes: ein großes tropisches Wettersystem über warmem Meerwasser. Tornados entstehen dagegen innerhalb wesentlich kleinerer Wetterstrukturen. Definition der Weltorganisation für Meteorologie; NOAA/NSSL: Tornados.

Tornado über einem offenen Feld unter einer tiefen, dunklen Gewitterwolkenbasis.
Tornado unter tiefer Gewitterwolkenbasis. Stockaufnahme: imagesourcecurated / Envato.

02 / FIELD NOTE

Der Aufwind hält das Gewitter am Leben

Warme, feuchte Luft kann einem Gewitter Energie liefern. Wird sie angehoben und ist die Luft darüber entsprechend geschichtet, steigt sie weiter auf. Dabei kühlt sie ab. Wasserdampf kondensiert zu kleinen Tröpfchen, und die Wolke wächst. Mit der Kondensation wird Wärme frei, die den Auftrieb unterstützen kann. Diesen aufsteigenden Luftstrom nennt man Aufwind.

Gleichzeitig entstehen im Gewitter Bereiche mit absinkender Luft. Regen und Hagel fallen nach unten; Verdunstung kann die Luft zusätzlich abkühlen. Wie Aufwind, Abwind und die neu einströmende Luft zueinander liegen, beeinflusst die Entwicklung des Gewitters. Das einfache Bild „warme Luft trifft kalte Luft, dann entsteht ein Tornado“ reicht dafür nicht aus. Met Office: Voraussetzungen und Entwicklung.

03 / FIELD NOTE

Warum der Wind mit der Höhe wichtig wird

Am Boden kann ein anderer Wind wehen als einige Hundert Meter oder mehrere Kilometer darüber. Er kann stärker werden, seine Richtung ändern oder beides gleichzeitig tun. Diese Veränderung mit der Höhe heißt vertikale Windscherung.

Solche Windunterschiede bedeuten, dass die Luft bereits eine Drehbewegung enthalten kann. Ein Gewitteraufwind kann einen Teil dieser Bewegung aufrichten und verstärken. Daraus kann ein rotierender Aufwind entstehen. Das oft gezeigte Bild einer waagerechten Luftrolle, die nach oben gekippt wird, veranschaulicht diesen Vorgang. Es erklärt noch nicht die Entstehung eines Tornados am Boden. NOAA/NSSL: Windscherung und rotierende Gewitter.

Vertikale Windscherung an demselben Ort: links horizontale Windpfeile mit zunehmendem Tempo in der Höhe, rechts drei Draufsichten mit gleichbleibender Nordausrichtung und wechselnder horizontaler Strömungsrichtung. Keine aufsteigende Luft dargestellt.
Verglichen wird der horizontale Wind in verschiedenen Höhen. Rechts ist jede Höhe einzeln von oben dargestellt; Norden bleibt oben. Die Pfeile zeigen, wohin die Luft strömt. Die übliche meteorologische Windrichtung benennt dagegen, woher der Wind kommt.

04 / FIELD NOTE

Die Superzelle dreht sich – der Tornado ist ein weiterer Schritt

Ein Gewitter mit einem anhaltenden, über einen größeren Höhenbereich rotierenden Aufwind heißt Superzelle. Die größere Rotation des Aufwinds wird als Mesozyklone bezeichnet. Unter ihr kann ein Tornado entstehen. Die meisten Superzellen bilden jedoch keinen.

Eine Superzelle kann auch ohne Tornado großen Hagel, heftigen Regen und schwere Böen bringen. Ihre gegliederte Strömung ermöglicht es, dass über längere Zeit neue Luft in den Aufwind gelangt. Welche Teile der Wolke sichtbar sind und wie viel Regen den Aufwind umgibt, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Eine auffällige Wolkenform allein ist deshalb kein sicherer Nachweis. NOAA/NSSL: Aufbau einer Superzelle.

Idealisierte Seitenansicht einer Superzelle mit hohem Aufwindturm und nach links ausgebreitetem Amboss. Niederschlag und ein Abwindbereich sind vom warmen feuchten Zustrom getrennt. Unter dem größeren rotierenden Aufwind ist ein möglicher kleinerer Tornado dargestellt.
Idealisierte Seitenansicht einer Superzelle. Die Mesozyklone bezeichnet die größere Rotation des Aufwinds; der mögliche Tornado ist ein deutlich kleinerer Wirbel darunter. Gezeigt sind nur ausgewählte Luftströme und ein Abwindbereich. Reale Superzellen sind dreidimensional und unterschiedlich aufgebaut.
Geschichtete Superzellenwolke über grünem Ranchland bei Leoti in Kansas.
Superzelle bei Leoti in Kansas. Auch eine markante Wolkenstruktur allein belegt keinen Tornado. Stockaufnahme: imagesourcecurated / Envato.

05 / FIELD NOTE

Der wichtige Übergang passiert nahe am Boden

Die Rotation in der Wolke wird nicht einfach als fertiger Schlauch bis zum Boden verlängert. In den untersten Luftschichten können zunächst unregelmäßig verteilte Bereiche mit Drehbewegung vorhanden sein. Für einen Tornado müssen sie sich so organisieren und verstärken, dass ein enger, zusammenhängender Wirbel entsteht.

Strömt Luft unter einem kräftigen Aufwind zusammen, kann die Rotation auf einen kleineren Raum konzentriert und nach oben gestreckt werden. Dabei kann die Drehgeschwindigkeit stark zunehmen. Beim entwickelten Tornado wird die einströmende Luft unmittelbar über dem Boden scharf nach oben umgelenkt. Eine Fachübersicht von 2024 beschreibt diese Entwicklung in vier Schritten: rotierender Gewitteraufwind, bodennahe Drehbewegung, deren Organisation und Verstärkung sowie der Übergang zur Strömung eines ausgebildeten Tornados. Das ist ein Modell zum Verständnis; es sagt nicht voraus, welches einzelne Gewitter einen Tornado bildet.

06 / FIELD NOTE

Woher kommt die bodennahe Drehbewegung?

Hier gibt es mehrere mögliche Beiträge. Luft kann schon in der Umgebung des Gewitters wirbeln. Im Gewitter selbst können unter anderem Temperaturunterschiede und Abwinde weitere Drehbewegung erzeugen oder umlenken. Auch die Wechselwirkung mit dem Boden spielt eine Rolle. Wie viel die einzelnen Vorgänge beitragen, hängt vom jeweiligen Fall ab.

Eine Simulationsstudie von Paul Markowski aus dem Jahr 2024 macht das deutlich. In der untersuchten turbulenten Umgebungsluft waren bereits bodennahe, rotierende Strukturen vorhanden. Unter dem Aufwind konnten sie sich zu einem tornadoähnlichen Wirbel verstärken. Frühere Modelle hatten die Umgebung häufig glatter und gleichmäßiger angesetzt. Der Befund zeigt einen weiteren möglichen Weg. Er beweist nicht, dass jeder reale Tornado so entsteht.

Messungen liefern dazu ein ergänzendes Bild. Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung von Satrio und Kollegen verfolgte eine Superzelle in Nebraska über 96 Minuten. Die aus Radardaten rekonstruierten Luftwege zeigten während ihrer besonders aktiven Phase Beiträge aus der Umgebungsluft und aus einem niederschlagsgekühlten Bereich des Gewitters zur tief liegenden Mesozyklone. Temperaturunterschiede waren für einen Teil dieser Luft bedeutsam. Die Untersuchung betrifft einen einzelnen Sturm und die größere Rotation im unteren Gewitterbereich. Daraus lässt sich keine feste Mischung für alle Tornados ableiten.

Wie aufwendig solche Messungen sind, zeigt das Forschungsprojekt TORUS. Die 2026 veröffentlichte Projektübersicht beschreibt Beobachtungen von 46 Superzellen in den Feldkampagnen 2019, 2022 und 2023. Forschende kombinierten mobile Radare, Messfahrzeuge, Wetterballons sowie bemannte und unbemannte Fluggeräte. So lassen sich Wind, Temperatur und Feuchtigkeit auch dort untersuchen, wo ein gewöhnliches Messnetz viele Einzelheiten verpasst. Das Veröffentlichungsjahr 2026 bedeutet hier also nicht, dass die Gewitter erst 2026 beobachtet wurden.

07 / FIELD NOTE

Was eine neue Radarstudie zeigt – und was offenbleibt

Für Warnungen wäre ein Merkmal hilfreich, das kurz vor der Tornadoentstehung zuverlässig auftaucht. Eine am 15. September 2026 veröffentlichte Studie von Herriott und Tanamachi untersuchte dafür sogenannte ZDR-Säulen. Das sind spezielle Radarsignaturen, aus denen sich Hinweise auf Vorgänge im Aufwind gewinnen lassen.

Das Forschungsteam verglich drei beobachtete Superzellen – zwei mit Tornado und eine ohne – mit 30 Modellsimulationen. Im Modell zeigten sich im Mittel Veränderungen der untersuchten Merkmale vor der Tornadoentstehung. Bei den drei real beobachteten Stürmen ergaben sich dagegen keine entsprechenden, durchgehend unterscheidbaren Veränderungen zwischen erfolgreicher und ausgebliebener Tornadoentstehung.

Ein Zusammenhang im Modell ist damit noch kein verlässliches Warnmerkmal in der Praxis. Die Beobachtungsstichprobe ist klein; sie widerlegt weder den Nutzen von Radar noch die Bedeutung des Aufwinds. Sie zeigt, warum neue Ansätze an weiteren realen Gewittern geprüft werden müssen.

08 / FIELD NOTE

Der sichtbare Trichter zeigt nicht den ganzen Wirbel

Luft selbst ist unsichtbar. Im Tornado kann der Druckabfall die Luft so weit abkühlen, dass Wasserdampf zu kleinen Wassertröpfchen kondensiert. Diese Tröpfchen machen den Wolkentrichter sichtbar. Wie weit er hinabreicht, hängt unter anderem von der Feuchtigkeit ab.

Der Luftwirbel kann bereits den Boden erreichen, obwohl der sichtbare Trichter darüber endet. Aufgewirbelter Staub oder Trümmer können dann die untere Rotation zeigen. Erreicht auch die rotierende Luftsäule den Boden nicht, handelt es sich um eine Trichterwolke. Allein an der Länge des sichtbaren Trichters lässt sich das nicht sicher unterscheiden. Regen kann die Sicht zusätzlich verdecken. NOAA: Luftwirbel, Kondensation und Bodenkontakt.

Drei vorgegebene Fälle: links endet auch der Luftwirbel oberhalb des Bodens; in der Mitte reichen Wirbel und Kondensation zum Boden; rechts reicht nur der Luftwirbel zum Boden. Gestrichelte rote Linien kennzeichnen idealisiert die unsichtbaren Teile des Wirbels.
Der Luftwirbel entscheidet über den Bodenkontakt, nicht die sichtbare Kondensation. Rot gestrichelte Linien machen im Schema unsichtbare Teile der Luftsäule kenntlich. Die Fälle sind zur Erklärung vorgegeben; aus einem Foto des oberen Trichters allein lässt sich diese Unterscheidung nicht sicher treffen.
Dunkler Tornadotrichter mit aufgewirbeltem Staub über offenem Land bei Wray in Colorado.
Tornado bei Wray, Colorado. Kondensation und aufgewirbelter Staub machen Teile des Luftwirbels sichtbar. Stockaufnahme: imagesourcecurated / Envato.

09 / FIELD NOTE

Das betrifft auch Deutschland

Tornados sind kein ausschließlich amerikanisches Wetterphänomen. Sie kommen auch in Deutschland vor. Günstige Bedingungen für rotierende Gewitter können sich ebenso hier entwickeln. Aus US-Fallstudien lassen sich allerdings keine Häufigkeiten oder Warnschwellen für den Niederrhein ableiten.

Außerdem entstehen nicht alle Tornados an Superzellen. Auch Gewitterlinien und manche Schauer können Tornados hervorbringen. Bei einem Teil dieser Fälle wird bereits vorhandene bodennahe Rotation unter einem wachsenden Aufwind verstärkt, ohne dass vorher eine große Mesozyklone besteht. Die ausführliche Erklärung in diesem Beitrag bezieht sich vor allem auf Superzellen. DWD: Tornados in Deutschland.

10 / FIELD NOTE

Tornadoliste Deutschland: die Jahre 2025 und 2026

Aktualisiert am 29. Oktober 2026. Die Tornadoliste Deutschland von Thomas Sävert sammelt Beobachtungen und dokumentiert die untersuchten Fälle. Sie unterscheidet bestätigte Tornados, plausible Fälle und Verdachtsfälle. Die folgenden Zahlen geben den Stand beim Abruf wieder.

2025: 46 bestätigte Tornados

Für 2025 sind 46 bestätigte Tornados, ein plausibler Fall und 92 Verdachtsfälle verzeichnet. Zusammen sind das 139 Einträge – nicht 139 nachgewiesene Tornados. Zu den bestätigten Fällen zählen Mussum bei Bocholt am 3. September, Siebersbach am 23. Oktober und Illingen am 24. November. Alle drei werden mit F1 geführt.

Vollständige Tornadoliste 2025 ansehen →

2026: bisher 35 bestätigte Tornados

Für das noch laufende Jahr 2026 stehen 35 bestätigte Tornados, ein plausibler Fall und 100 Verdachtsfälle in der Liste. Das sind insgesamt 136 Einträge. Der jüngste bestätigte Fall in der Jahresübersicht betrifft Horrenberg und Balzfeld in Baden-Württemberg am 25. Oktober. Er wird mit F1 eingestuft.

Vollständige Tornadoliste 2026 ansehen →

Ein aktueller Verdachtsfall am Niederrhein

Auch Twisteden bei Kevelaer vom 22. Oktober 2026 ist erfasst. Dort wurden erhebliche Schäden in einem Waldgebiet gemeldet. Der Eintrag steht beim Abruf auf Verdacht. Damit ist ein Tornado bislang nicht bestätigt.

Die Jahreslisten werden weiter bearbeitet. Neue Belege können zu zusätzlichen Einträgen oder einer anderen Einstufung führen, auch rückwirkend für 2025. Die Zahlen für das vollständige Jahr 2025 und das noch laufende Jahr 2026 lassen sich deshalb nicht einfach als Zu- oder Abnahme deuten. Für spätere Änderungen führen die beiden Links direkt zur jeweiligen Jahresliste.

11 / FIELD NOTE

Was bei einer Warnung wichtig ist

Bei einer Tornadowarnung oder einem herannahenden Tornado rechtzeitig ein stabiles Gebäude aufsuchen. Möglichst in einen Keller oder einen innen liegenden Raum im untersten Stockwerk gehen, Abstand zu Fenstern halten und Kopf und Nacken schützen. Ein Auto, Zelt oder eine offene Hütte bieten keinen verlässlichen Tornadoschutz. Für eine Aufnahme draußen zu bleiben, ist keine gute Entscheidung. National Weather Service: Schutz bei einem Tornado.

12 / FIELD NOTE

Quellen und Stand

Stand: 29. Oktober 2026. Die wissenschaftlichen Quellen sind direkt an den jeweiligen Aussagen verlinkt.

Videoquelle: Kachelmannwetter: „Wie entsteht ein Tornado?“ – Video auf YouTube ansehen (31. Mai 2022).

Die drei Erklärungsgrafiken sind eigene schematische Illustrationen von The Adventure Beyond. Sie zeigen keine Messdaten und kein bestimmtes Tornadoereignis. Das Hero-Video und sein Standbild stammen von BlackBoxGuild / Envato und zeigen eine Superzelle über dem texanischen Panhandle. Die Stockaufnahme illustriert den Beitrag; sie dokumentiert keine aktuelle Wetterlage.

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